Rocko Schamoni erzählt wieder

Und zwar in seinem neuen Buch Der Tag der geschlossenen Tür, den der Kreativ-Allrounder exakt drei Jahre nach dem letzten Erscheinen der Geschichten um seinen Protagonisten Michael Sonntag, der gern jede daseinserhaltende Tätigkeit verweigert, veröffentlicht hat. Wieder lässt er Sonntag allerlei wahnwitzige Ereignisse durch-leben. Er hält sich nach wie vor mit skurrilen Geschäftsideen seines Kumpans Nowak über Wasser, doch mittlerweile hat er es auch zu einer eigenen Kolumne beim örtlichen Stadtmagazin gebracht. Mit selbstgebastelter Wärter-uniform übt er fortan seinen Traumberuf Museumswärter aus, straft jene, die sich der Kunst nicht würdig erweisen mit bösen Blicken, jammert über die Arbeitsbedingungen und die enorme Anstrengung. Denn auch seine Leidenschaft für Arztpraxen und hypochondrische Krankheitsbilder hat er sich bewahrt. Es geht um die Hamburger Stadtentwicklung und deren Gentrifizierung. Auch Sonntag wird nicht jünger; immer wieder gibt es gedankliche Ausflüge über das Älterwerden und den Tod. Ein Glück sparen sich die aber die übermäßige Altersweisheit, und sind mehr urkomisch, ironisch und sprachgewandt . Dabei ist der Ton im Vergleich zu Sternstunden der Bedeutungs-losigkeit um einiges selbstreferentieller geworden, wenngleich das natürlich bei Michael Sonntag, der zumeist nicht nur an den anderen, sondern an sich selbst scheitert, vorprogrammiert zu sein scheint. Rocko Schamoni, der Fürst aller modernen Sprach-Dandys dieser Zeit, hat mit Tag der geschlossenen Tür ein Werk geschaffen, das sowohl unterhaltsam wie ernsthaft, zugleich komisch und tragisch ist. Zu entdecken gibt es die Abenteuer des Michael Sonntag natürlich bei frents!

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