Das Neue von Cornershop

Cornershop & The Double ‘O’ Groove Of ist nicht nur gute Musik; es vereint ver- schiedene Kulturen mit solch fröhlicher Respektlosigkeit, dass es einen für 40 Minuten alle Gedanken an Grenzen und Rassenunterschiede vergessen lässt. Die Musik ist keine Mixtur aus alter und neuer Welt, sondern vielmehr ein Hybrid aus Brit- und Indien- Pop. Nach dem großen Hit Brimful Of Asha folgte das Album Lessons Learned From Rocky I To Rocky III, danach vermutete zuletzt kaum noch jemand Cornershop unter den aktiven Bands. Irrtum. Mit dem Albumtitel Cornershop & The Double O Groove Of erreichen sie ein neues Hoch in puncto kauzige Sperrigkeit. Mit Bubbley Kaur haben die Herren sich mit einer bisher völlig Unbekannten im Musikgeschäft verstärkt, und das ist nicht alles: Album- und Songtitel sind die einzigen Anhaltspunkte in englischer Sprache – die Texte sind ausnahmslos in Punjabi. Nun kann man zu fremdsprachiger Musik stehen, wie man will – das kann einem zu fremd, zu gewollt, zu alternativ oder zu sehr nach Weltmusik- schublade klingen. Oder, wie im Falle von Cornershop beweisen, dass mangelndes Textverständnis guter Musik nicht im Wege steht. Bubbley Kaurs Stimme, Modulation und emotionale Intonation reichen völlig aus, mehr auszudrücken, als es so mancher englischsprachige Titel kann. Topknot, die Single, die Cornershop schon im Jahre 2004 dem Album vorgeschossen haben, ist ein gutes Beispiel. Kaur hat eine atemberaubende Stimme, die auch durch den repetetiven Charakter des Songs nichts an Einfluss verliert. Sie trägt den Song mit einer solchen Leichtigkeit, dass es scheint, als sänge die junge Frau nur nebenbei und beinahe unbewusst. Wenn träumerisch und zuckersüß nicht solch alberne Adjektive wären – sie würden Bubbley Kaurs Stimme perfekt beschreiben. Das Album ist mehr als indische Partymusik. The 911 Curry und The Biro Pen spielen mit elektronischen Klängen und imposanten instrumentalen Untermalungen, und Supercomputed treibt das Ganze auf die Spitze. Man kann es als Tanzmusik bezeichnen, oder, wie Cornershop-Frontmann Tjinder Singh, als umfassende Studie zur Punjabi Folk Music. Was immer es ist, die meiste Zeit macht das Gescheppere großen Spaß. Das neue Album entdecken bei frents!

frents Montagslektüre: Rottenegg


Markus Kavka, Jahrgang 1967, ist seit anderthalb Jahrzehnten das Gesicht des deutschen Musikfernsehens. Nach den Kolumnensammlungen Elektrische Zahnbürsten und Hamma wieder was gelernt sowie dem Gesprächsbuch Mach mir mal ne Nudelsuppe ist Rottenegg sein erster Roman, dessen Protagonist Gregor Herzl Moderator bei Pop TV ist. Das Buch weist auch sonst teilweise biografische Züge auf, so ist Kavka in Manching, Bayern aufgewachsen und sein Charakter Herzl sucht seine Wurzeln im beschaulichen Rottenegg, ebenfalls in Bayern. Dorthin verschlägt es ihn nachdem er gekündigt wurde, er seine attraktive Freundin Wilma mit einem anderen im Bett erwischt und plötzlich auch die vielen Kumpels nicht mehr vorbei schauen. Die Party, die sein Leben bis dato war, ist vorbei. Nun wird es Zeit erwachsen zu werden. Um sich selbst zu finden und der gähnenden Leere zu entkommen zieht er nach Rottenegg. Doch heilt Heimat wirklich alle Wunden? Wie auch die anderen Werke Kavkas lebt der Roman von der lakonischen Art, die einen manchmal zum lachen und weinen gelichzeitig bringen könnte. Im April und Mai liest Kavka in Mannheim und Osnabrück aus seinem Roman, bis dahin gibt es das Buch natürlich bei frents!

Kein Pappenstiel

Quader ganz und gar aus Pappe, die stabil genug zum Draufsetzen sind. Klingt komisch, ist aber so. Diese Papphocker von Remember® halten tatsächlich bis zu 200 kg aus und sind in den unterschiedlichsten und ausgefallensten Designs erhältlich. Mit Knapp 45 cm Höhe können sie auch die Aufgabe des Beistell- und Nachttisches übernehmen, außerdem sind diese praktischen Dinger dankbare Nothocker für unter Umständen zahlreich erscheinende Überraschungsgäste. Nach der Party ist der Hocker fix zusammengelegt, und im geringstem Stauraum untergebracht. Bei frents das Modell Powerboost probesitzen!

Frisch aus Montreal importiert

Nach den letzten drei Alben von The Dears (No Cities Left 2003, Gang Of Losers 2006 und Missiles 2008) kommt nun mit Degeneration Street das insgesamt fünfte Album der kanadischen Band. Murray Lightburn tauscht die Besetzung regelmäßig aus – einzige Ausnahme ist Keyboarderin/Sängerin Natalia Yanchak, denn wer schmeißt schon seine Frau aus der Band? Bei der Entstehung von dem neuen Album ging die Band ungewohnte Wege: zunächst schickten sie sich gegenseitig Songs und Ideen per Email, um an diesen zu arbeiten, bevor sie innerhalb weniger Studiotage mit Tony Hoffer (Beck, Belle & Sebastian, Phoenix) aufgenommen wurden. Lightburn scheint die Vergleiche mit Morrissey oder Damon Albarn reichlich satt zu haben und in der Zeit der Entstehung viel David Bowie gehört zu haben. Denn die Songs Thrones und Yesteryear befinden sich in unmittelbarer stimmlicher und musikalischer Nähe zum Thin White Duke. Den Opener Omega Dog bestreitet Lightburn hingegen im Falsett-Gesang, so dass man meint, Prince hätte einen großartigen, leicht souligen Indiepop-Song geschrieben. Ein weiteres Highlight ist Blood mit seinen kreischenden Gitarren, die auf Spinett-artige Sounds prallen. The Dears machen auf Degeneration Street fast alles richtig und viel mehr als auf den beiden Platten zuvor.
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frents Montagsspiel: Ligretto

Spielen dass die Karten fliegen! Aber vorsicht: Lange Fingernägel können hier verheerenden Schaden anrichten. Jeder Spieler bekommt bei Ligretto von Schmidt-Spiele einen eigenen Kartensatz à 40 Karten. Vier Farben und die Zahlen von Eins bis Zehn sind auf den Spielkarten abgedruckt. Ziel ist es, möglichst viele Karten abzulegen. Klingt erstmal nicht so aufregend? Spielregeln tun das selten. Ligretto macht wirklich süchtig. Doch hat man es hier nicht mit noch einem Uno-Klon zu tun, sondern mit einem rasanten Spiel für mehrere Spieler bei dem es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren. Jeder Spieler legt zehn Karten, den Ligretto, als Stapel vor sich ab (Bildseite nach oben). Außerdem platziert man drei Karten offen vor sich. Die übrigen Karten hält man verdeckt auf der Hand. Hat man unter seinen offenen Karten oder als oberste Handkarte eine Eins einer beliebigen Farbe, so legt man diese in die Mitte und fängt damit einen Ablagestapel an. Nun kann sofort eine farblich passende Zwei auf die Karte gelegt oder ein neuer Ablagestapel begonnen werden. Jeder darf dabei auf jeden Ablagestapel legen. Natürlich hat man oft die gleichen Karten wie die Gegner, also muss man schnell sein um seine Karten lozuwerden (hier kommt übrigens die Warnung vor langen Fingernägeln zum Tragen). Hat man keine passende Karten parat, zählt man 3 Karten vom Handstapel ab und steckt sie hinten wieder dazu. Die neue oberste Karte darf man wiederum ins Spiel bringen, wenn sie passt. Tut sie nicht? Wieder 3 Karten abzählen. Die Plätze der anfangs drei offenen Karten dürfen, wenn sie leer werden, sofort mit Karten vom Ligretto nachbestückt werden. Da kommt Hektik auf, schließlich muss man Karten nachlegen und gleichzeitig Ablagestapel, seinen Ligretto und die offen liegenden Karten der Mitspieler im Auge behalten. Die Spieler trachten danach, möglichst viele Karten von ihrem Ligretto los zu bekommen, schließlich zählt jede davon am Ende zwei Minuspunkte. Man versucht also, die Karten vom Stapel direkt auf einen Ablagestapel zu legen oder freie Plätze bei den drei offenen Karten aufzufüllen. Am Ende einer Runde, wenn ein Spieler seinen Ligretto komplett geleert hat, werden die Karten gezählt. Die Kartendecks der Spieler sind an ihrer Rückseite voneinander zu unterscheiden. Wie bereits gesagt zählt jede am Ligretto verbliebene Karte 2 Minuspunkte, jede abgelegte Karte in der Mitte 1 Pluspunkt. Gewonnen hat, wer durch die abgelegten Karten und einen möglichst kleinen Ligretto die meisten Punkte hat. Verblüffend, wie faszinierend ein so einfaches Spiel sein kann. Jetzt entdecken bei frents!

Scott Pilgrim vs. The World

Edgar Wright, Regisseur von Scott Pilgrim vs. The World hat bereits mit Filmen wie Shaun of the Dead und Hot Fuzz bewiesen, dass er zu den kreativsten Regisseuren seiner Generation gehört. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Comic. Wright ist einer der bekennenden Nerds, in deren Hand sich Hollywood immer mehr zu befinden scheint. Nerd-sein ist cool geworden. Wenn man sich anschaut wieviele Comic- oder Videospielverfilmungen kommen, dann wird das überdeutlich. Scott Pilgrim ist also ein Film von Nerds für Nerds. Ein Film, der das richtig zelebriert. Alleine der feinen Hand von Wright ist zu verdanken, dass der Film nicht nur für Gamer und Hardcore-Nerds ein pures Vergnügen ist. In fast jeder Szene gibt es Anspielungen auf Videospiele (zusammengeschlagene Bösewichter lösen sich auf und hinterlassen Münzen, die Band, in der Scott Pilgrim spielt nennt sich Sex Bob-Ombs, wie die kleinen laufenden Bomben aus den Super Mario-Spielen uvm.), Filme oder Comics zu entdecken. Die Story ist ein simple Boy-meets-Girl-Geschichte: Scott Pilgrim (Michael Cera) verliebt sich über Um- wege in die mysteriöse Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Ihrer Liebe stehen ihre sieben Ex-Lover, die Scott besiegen muss und Pilgrims Ex-Freundin Knives Chau (Ellen Wong) im Weg. Parallel muss Scott mit seiner Band auch noch um einen Platten-vertrag beim mächtigen Studioboss Gideon Graves (Jason Schwartzman) kämpfen. Aufgebaut wie ein Videospiel, muss sich Scott Pilgrim durch die verschiedenen “Stages” kämpfen, die Kampfszenen lassen jeden Matrix-Kampf alt aussehen. Was hier an Effekten, Abwechslung und einfach purer Cleverness an den Tag gelegt wird, ist der reine Wahnsinn. Es macht süchtig wie ein gutes Videospiel: man kann es kaum erwarten dass der nächste Ex-Freund auftaucht, damit es wieder ordentlich zur Sache geht. Während Filme wie Prince of Persia oder Tomb Raider versuchen die Videospiel-Welt glaubwürdig in eine vermeintlich reale Welt zu übersetzen, gibt Scott Pilgrim die Antwort auf die Frage “Was wäre wenn das Leben ein Videospiel wäre?”.
Zwischen den brachialen Action-Sequenzen nimmt sich der Film stets Zeit, seine neurotischen Hauptcharaktere zu beleuchten und verwickelt sie ständig in lustige Situationen. Die Rollen wurden dabei perfekt besetzt. Allen voran natürlich Nerd-König Michael Cera, der spätestens seit Filmen wie Juno oder Superbad zum festen Nerd-Inventar gehört. Scott Pilgrim vs. The World ist groß- artige Unterhaltung. Ein Film der audiovisuell stimuliert, voller Ideen und Cleverness steckt und nach dem man sich fragt, warum es nicht mehr Filme dieser Art gibt.
Das Nerd-Juwel gibt es bei frents, passend modern auf Blu-Ray!

Rocko Schamoni erzählt wieder

Und zwar in seinem neuen Buch Der Tag der geschlossenen Tür, den der Kreativ-Allrounder exakt drei Jahre nach dem letzten Erscheinen der Geschichten um seinen Protagonisten Michael Sonntag, der gern jede daseinserhaltende Tätigkeit verweigert, veröffentlicht hat. Wieder lässt er Sonntag allerlei wahnwitzige Ereignisse durch-leben. Er hält sich nach wie vor mit skurrilen Geschäftsideen seines Kumpans Nowak über Wasser, doch mittlerweile hat er es auch zu einer eigenen Kolumne beim örtlichen Stadtmagazin gebracht. Mit selbstgebastelter Wärter-uniform übt er fortan seinen Traumberuf Museumswärter aus, straft jene, die sich der Kunst nicht würdig erweisen mit bösen Blicken, jammert über die Arbeitsbedingungen und die enorme Anstrengung. Denn auch seine Leidenschaft für Arztpraxen und hypochondrische Krankheitsbilder hat er sich bewahrt. Es geht um die Hamburger Stadtentwicklung und deren Gentrifizierung. Auch Sonntag wird nicht jünger; immer wieder gibt es gedankliche Ausflüge über das Älterwerden und den Tod. Ein Glück sparen sich die aber die übermäßige Altersweisheit, und sind mehr urkomisch, ironisch und sprachgewandt . Dabei ist der Ton im Vergleich zu Sternstunden der Bedeutungs-losigkeit um einiges selbstreferentieller geworden, wenngleich das natürlich bei Michael Sonntag, der zumeist nicht nur an den anderen, sondern an sich selbst scheitert, vorprogrammiert zu sein scheint. Rocko Schamoni, der Fürst aller modernen Sprach-Dandys dieser Zeit, hat mit Tag der geschlossenen Tür ein Werk geschaffen, das sowohl unterhaltsam wie ernsthaft, zugleich komisch und tragisch ist. Zu entdecken gibt es die Abenteuer des Michael Sonntag natürlich bei frents!

frents Montagsmaler: Gerhard Richter der unfreiwillige Zeitzeuge

Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt bis zum 15. Mai 2011 Arbeiten aus Gerhard Richters Werkgruppe der großformatigen Gemälde, die er nach Fotos gemalt hat. Sie entstanden, nachdem der international geschätzte Künstler Anfang der 60er-Jahre aus seiner Heimatstadt Dresden in den Westen übergesiedelt war. Richter, geboren 1932, stellte das erste Mal 1963 in einem leer stehenden Laden in Düsseldorf aus – gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden Sigmar Polke und Konrad Fischer-Lueg. In diesem Rahmen präsentierte er seine ersten sogenannten grauen Fotobilder. Vorlagen dafür waren Reproduktionen aus Magazinen wie Stern oder Quick, Familienfotos und schlichte Alltagsgegenstände. Richter verstrich dabei die Farbe auf den Bildern so, dass das Motiv unscharf wurde. Dadurch wollte er die Gemälde fotoähnlicher machen. Und er verwischte damit auch “das zu viel an unwichtigen Informationen”, wie er sagte. In Richters Bildern begegnen sich das Banale und das Böse, schnelle Autos und ein falscher Kronleuchter, persönliche Erinnerungen, die beklemmende Vergangenheit, die aktuelle Politik und Urlaubsszenen. Den Höhepunkt der Ausstellung bildet der Zyklus 18. Oktober 1977 (1988) zum Tod der RAF-Mitglieder in Stammheim. Damit hat Gerhard Richter einst die Werkgruppe der gemalten Fotografien abgeschlossen. Diese Bilder sind als Leihgabe des New Yorker MoMA in Hamburg zu sehen. Rückblickend kann man heute in der Gesamtheit Richters früher Werke das Bild einer Epoche erkennen; das drückt der Titel der Ausstellung Gerhard Richter. Bilder einer Epoche aus. Das Bucerius Kunst Forum kann sogar bisher nicht veröffentlichte Bilder und Texte zeigen. Der Katalog gibt einen schönen Einblick in das Werk und das Leben Richters, bei frents gibt es ihn nätürlich!

Donkey Kong Doku: The King of Kong

Die Reihe der kreativen Schöpfungen mit Namen in denen die Worte ‘The King’ auftauchen geht weiter: dieses Mal allerdings mit einem Film. Der Dokumentarfilm von Seth Gordon und Ed Cunningham The King of Kong – A Fistful of Quaters, zeigt den unerbittlichen Kampf zweier Giganten einer Videospielewelt von gestern, in dem der Sieger neben dem Guinness-Book-Eintrag vor allem die Gewissheit davon trägt, der Beste zu sein.
Wir schreiben das Jahr 1982. Das Gesicht des Teenagers Billy Mitchell strahlt während eines Foto-Shootings des Life Magazins, denn er hat geschafft, wozu niemand zuvor in der Lage war. Er betrat eine Spielhölle, setzte sich an einen Donkey Kong-Automaten und stellt mit 874.300 Punkten einen bislang nicht für möglich gehaltenen Rekord auf. Zwanzig Jahre lang blieb sein Rekord unangefochten. Niemand reichte auch nur annähernd an ihn heran. Bis Steve Wiebe kommt und seine Welt 2003 ins Wanken bringt. Der Lehrer aus Redmond, Washington, ist ein Durchschnittstyp. Nie war er in irgendeiner Sache herausragend. Im Baseball und beim Schlagzeugspielen nicht. Doch eine Leiden-schaft hat ihn gepackt: die Welt des Donkey Kong. Und er ist gut. So gut, dass er beschließt, den Rekord von Mitchell anzugreifen. In den US-Kinos konnte man dieses Filmhighlight sehen, in Deutschland hat er es nie auf die Leinwand geschafft. Jetzt gibt es ihn aber auf DVD bei frents!

frents Montagsmusik: Mehr Königliches, diesmal von Radiohead

Anscheinend ist es gerade Trend unter guten Musikern, den neuen Alben Titel mit den Worten “The King” drin zu geben. Gute Neuigkeiten: die poetischen Leistungssportler sind mit einem davon zurück. Letzten Freitag ist Radioheads neues Album The King of Limbs veröffentlicht worden. Natürlich wird es bereits als Meisterwerk gefeiert. Als Online Stream ist es auch in Deutschland schon zu hören, gebannt auf diverses Tonträgermaterial gibt es das gute Stück via XL/Beggars ab dem 25. März. Es ist ein weiterer Klassiker, der straighte Electronica mit hymnenartigem Britpopnummern und komplexem Prog-Rock verheiratet. Mehr oder weniger zeitgleich ist auch das erste offizielle Video zum Song Lotus Flower im Netz aufgetaucht, in dem Frontman Thom Yorke bei einer eigenwilligen Tanzperformance zu sehen ist.

Ein kleiner track-by-track Guide:

Bloom: Ein unkaputtbares Fragment, das sich dagegen sträubt, an irgend etwas zu knüpfen. Gebaut auf doppeltem Boden, gepaart mit jazziger Verquertheit und bei übermäßiger Dosierung herbe Kopfschmerzen verursachend. Durch alle Instrumentenlagen wandernd mit einem erhabenen Thom Yorke, der bekennend mit “Open your mouth wide / Universal sighs” hinter diesem sinistren Vorhaben steht.

Morning Mr Magpie: Eine Uptempo-Manie mit sichtlicher Unaufgeräumtheit, gleichlaufendem Rhythmus und den vorwärtstreibenden, abbrechenden Ergänzungen des Gitarren-Dreischritts von Jonny Greenwood, Ed O’Brien und Yorke. “Good morning, Mr Magpie / How are we today? / Now you’ve stolen all the magic / Took my melody“.

Little By Little: Reim, Prosa, lose und zusammen, Verdichtungen und Wortverknappungen. Eine Genrekollision der morgenländischen Notenskalen mit der chromatischen Modulation Arnold Schönbergs. Und ein Geständnis: “Little by little / By hook or by crook / I’m such a tease and you’re such a flirt“.

Feral: Anscheinend waren Radioheads vorherige Trips in den melodischen Experimentalismus nicht genug, es folgt der Versuch alle Geräusche des Waldes nachzuahmen. Feral ist ein ungestümes Titelgleichnis – ein zuckendes, rohes Ding mit einem psychotischen Trommeltakt.

Lotus Flower: Das genaue Gegenstück zu Feral, denn dieser Titel führt den Hörer in einen üppigen, warmen Sounddschungel, dank Yorkes subtilen, sensuellen Vibrato und Lyrics wie “slowly we unfurl/as lotus flowers”. Er verteidigt seinen Titel “König der tanzenden Gliedmaßen” mit Bravour.

Codex: “Sleight of hand / Jump off the end / Into a clear lake / No one around / Just dragonflies / Flying to the side / No one gets hurt“. Naturalistische Spiritualität, Fassadenlosigkeit und Daseinsfreude. Wer sich traut diesem Lied, solche Eigenschaften selbstredend einzugestehen, entdeckt dass es kein Schluchzen mit Selbstschwund ist.

Give Up The Ghost: “Don’t haunt me / Don’t hurt me (…) / I think I should give up the ghost“. Ätherische Loopabfolgen, klopfendes Mahagoniholz und Geisterchöre greifen um sich, Yorke klingt wie ein wandelnder Minnesänger. Mit einer akustischen Gitarre beschwört er Feen und Geister und sein Echo werfen melancholische Background-Vocals und ein einlullendes Summen zurück. Fast erinnert es an die vergangene Goldfrapp Felt Mountain Ära.

Separate: Nach der Epilepsie in den ersten Stücken steht die Entgiftungskur an. Frisch und psychdelisch klingt der letzte Song der Platte. Wie eine Bande Hippies, die durch den Wald tanzen, ist Separator das perfekte Enda der generellen Metaebene des Albums. Natürlich wären Radiohead kein musikalisches Paradigma, wenn sie nicht einen kleinen Haken einbauen würden: “If you think this is over / Then you’re wrong“. Man möchte nicht glauben, dass es ein Finish markiert.