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frents Montagsmaler: Gerhard Richter der unfreiwillige Zeitzeuge

Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt bis zum 15. Mai 2011 Arbeiten aus Gerhard Richters Werkgruppe der großformatigen Gemälde, die er nach Fotos gemalt hat. Sie entstanden, nachdem der international geschätzte Künstler Anfang der 60er-Jahre aus seiner Heimatstadt Dresden in den Westen übergesiedelt war. Richter, geboren 1932, stellte das erste Mal 1963 in einem leer stehenden Laden in Düsseldorf aus – gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden Sigmar Polke und Konrad Fischer-Lueg. In diesem Rahmen präsentierte er seine ersten sogenannten grauen Fotobilder. Vorlagen dafür waren Reproduktionen aus Magazinen wie Stern oder Quick, Familienfotos und schlichte Alltagsgegenstände. Richter verstrich dabei die Farbe auf den Bildern so, dass das Motiv unscharf wurde. Dadurch wollte er die Gemälde fotoähnlicher machen. Und er verwischte damit auch “das zu viel an unwichtigen Informationen”, wie er sagte. In Richters Bildern begegnen sich das Banale und das Böse, schnelle Autos und ein falscher Kronleuchter, persönliche Erinnerungen, die beklemmende Vergangenheit, die aktuelle Politik und Urlaubsszenen. Den Höhepunkt der Ausstellung bildet der Zyklus 18. Oktober 1977 (1988) zum Tod der RAF-Mitglieder in Stammheim. Damit hat Gerhard Richter einst die Werkgruppe der gemalten Fotografien abgeschlossen. Diese Bilder sind als Leihgabe des New Yorker MoMA in Hamburg zu sehen. Rückblickend kann man heute in der Gesamtheit Richters früher Werke das Bild einer Epoche erkennen; das drückt der Titel der Ausstellung Gerhard Richter. Bilder einer Epoche aus. Das Bucerius Kunst Forum kann sogar bisher nicht veröffentlichte Bilder und Texte zeigen. Der Katalog gibt einen schönen Einblick in das Werk und das Leben Richters, bei frents gibt es ihn nätürlich!

Stickers: Stuck-Up Piece of Crap: From Punk Rock to Contemporary Art – Klebekunst auf frents


DB Burkeman, ein britischer DJ, Lebenskünstler und Ex-Junkie hat jahrelang Sticker gesammelt und die Klein-Kunstwerke jetzt in einem prallen Bildband veröffentlicht. “Stickers – Stuck-Up Piece of Crap: From Punk Rock to Contemporary Art” ist eine popkulturelle Sticker-Enzyklopädie, die rund 4000 Exemplare zeigt. Fein säuberlich wie ein Briefmarkensammler archivierte Burkemann seine Aufkleber in zahlreichen Alben, bis ein Freund ihn auf die Idee brachte ein Buch daraus zu machen. Sein Bildband ist der erste, der Sticker als Dokumente der Zeitgeschichte in ihren jeweiligen historischen Hintergrund einordnet, verknüpft mit autobiografischen Elementen. Seine Sammlung hat er für das Buch drei Jahre lang erweitert: Er fragte Freunde und Künstler nach ihren Aufklebervorräten, fahndete auf Ebay nach seltenen Stickern. Insgesamt enthält das Buch nun Aufkleber und schriftliche Kommentare von ungefähr 1300 Menschen – von anonymen Amateurkünstlern bis hin zur Street-Art-Größe Banksy, von dem eine Doppelseite selbst designter Sticker stammt. Shepard Fairey, der während Obamas Wahlkampf das berühmte “Hope”-Poster entwarf, stiftete Material für mehrere Seiten und schrieb das Vorwort des Buches. Eine weitere Seite ist Damien Hirst gewidmet, eine ist voller Keith-Haring-Sticker, aber auch Musiker und Skater stellten Teile ihrer Sammlungen zur Verfügung.”Überall nach Stickern zu gucken ist eine Angewohnheit, die ich wahrscheinlich nie wieder loswerde”, sagte Burkeman, der zusätzlich mit seinem Sohn Max die Straßen von Manhattan und Brooklyn durchkämmte stehts mit einem scharfen Messer und Babypuder bewaffnet um abgelöste Sticker zu neutralisieren. Er hofft keine Künstler damit zu verärgern, sondern will ihre kleinen tragbaren Kunstwerke einem breiteren Publikum zugänglich machen. Noch lagern die Originale in riesigen Boxen im Kleider-schrank seiner Frau, aber bald werden sie gerahmt und kommen in eine Ausstellung. Wen jetzt die Klebelust gepackt hat: Das Buch gibt es natürlich auf frents.com, als kleines Goodie findet man am Ende des Buches acht herausnehmbare Bögen voller Sticker, teilweise exklusiv von Künstlern entworfen.

On Street, wunderschöne Realitäten in schwarzweiß.

Die Peter Lindbergh Ausstellung On Street in C/O Berlin läuft schon seit dem 25. September, aber erst letztes Wochenende habe ich es geschafft sie mir anzuschauen. Und was es zu sehen gab! Das alte Postfuhramt, das die Galerie beherbergt ist der perfekte Ausstellungsraum für die gleichzeitig kraftvollen und fragilen, gradlinigen und verspielten, emanzipierten und sinnlichen Fotografien. Peter Lindbergh (geb. 1944) gilt heute unbestritten als einer der großen lebenden Mode- und Portraitfotografen unserer Zeit. „What’s so striking about black and white photography is how it really helps a sense of reality to come through,“ sagte er einmal über Schwarweiß-Fotografie und genau den Eindruck transportiert auch jedes seiner Bilder. Dadurch werden sie weit mehr als künstliche, unterkühlte Modeaufnahmen, denn hinter artifziellem Styling und Make-up wird in seinen melancholischen, ungeschönten Bildern die Intimität und das Wesen der meist weiblichen Models sichtbar. Ob Madonna, Penélope Cruz, Milla Jovovich, Kate Moss, Helena Christensen, Jeanne Moreau, Catherine Deneuve oder  Sharon Stone – einfühlsam und reduziert spürt Peter Lindbergh das Individuum hinter dem Starkult in all seiner Stärke und zugleich Zerbrechlichkeit auf. Mehr als 200 Bilder und Filme gibt es zu bestaunen – von Lindberghs Klassikern und Ikonen der Modefotografie bis hin zu den Invasion-Bildern und der Berlin- Serie aus der Vogue von 2009. Außerdem gibt es bislang nie veröffentlichte Archiv-Polaroids sowie Filmdokumentationen, die Einblicke in die Arbeitsweise des Starfotografen gewähren. Den Katalog zu Ausstellung gibt es bei frents, in dem es schon einige beeindruckende “Bildrealitäten” zu entdecken gibt!