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Hollywood Alltags Wahnsinn

Curb Your Enthusiasm ist eine der lustigsten US- Serien der Gegenwart, ein Spektakel an gnadenlosem Humor des amerikanischen Komikers, Drehbuch- autors und Schauspielers Larry David, der sich in dieser TV-Show selbst spielt. Der heute 63-jährige New Yorker wurde als Miterfinder, Autor und Produ- zent der in den USA sagenhaft erfolgreichen Sitcom Seinfeld absurd wohlhabend. Curb Your Enthusiasm zeigt Larry Davids vermeintlichen Alltag in Hollywood, wo er schwer reich, gelangweilt und meist mürrisch die Zeit mit Alltagsdramen der besonderen Art totschlägt. Er plagt sich mit Problemen wie: Darf man vor der Synagoge Wagner pfeifen? Wie ärgert man Leute, die zu laut am Nebentisch telefonieren? Hat man Zeit, mit seiner zu Tode geängstigten Gattin zu telefonieren, wenn gerade der Fernseher repariert wird? Soll man Blumengebinde zum Weiterverschenken von Gräbern klauen? Pinkelt man im Stehen oder im Sitzen? Oder wie vermeidet man öde Partys ohne abzusagen? Bei dem daraus zuverlässig resultierenden Wahnsinn unterstützen ihnen neben den Mitgliedern einer kleinen Stammbesetzung (Frau-Manager-Bester Freund) diverse Hollywood-Kollegen wie Ben Stiller, Martin Scorsese, Mel Brooks und Ted Danson (berühmt geworden als Wirt Sam Malone aus Cheers). Einzigartig an der Serie ist, dass Larry David bei dieser Inszenierung seines Fake-Alltags den Schauspielern bei jeder Episode nur das Thema vorgibt und Dialoge immer spontan entstehen. Seit nun schon sieben Staffeln hat sich Curb Your Enthusiasm damit in den USA vom Kritiker-Hit zum respektablen Quoten-Erfolg entwickelt. Ob Lass es, Larry! die ideale deutsche Titel-Alternative ist, kann man bezweifeln. Und obwohl hier alles akkurat übertragen wurde, verliert der lustige Wahnsinn von Larry David im Deutschen viel von seiner Magie. Denn Humor, der auf Sprachwitz basiert, ist eigentlich nicht zu synchro- nisieren. Das war einst bei Monty Python so, und auch bei Larry Davids Superhit Seinfeld, der hierzulande kaum Beachtung fand. In den USA startet dieses Jahr die achte Staffel von Curb Your Enthusiasm, bei frents gibt es die Staffeln 1 bis 6 auf DVD!

Scott Pilgrim vs. The World

Edgar Wright, Regisseur von Scott Pilgrim vs. The World hat bereits mit Filmen wie Shaun of the Dead und Hot Fuzz bewiesen, dass er zu den kreativsten Regisseuren seiner Generation gehört. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Comic. Wright ist einer der bekennenden Nerds, in deren Hand sich Hollywood immer mehr zu befinden scheint. Nerd-sein ist cool geworden. Wenn man sich anschaut wieviele Comic- oder Videospielverfilmungen kommen, dann wird das überdeutlich. Scott Pilgrim ist also ein Film von Nerds für Nerds. Ein Film, der das richtig zelebriert. Alleine der feinen Hand von Wright ist zu verdanken, dass der Film nicht nur für Gamer und Hardcore-Nerds ein pures Vergnügen ist. In fast jeder Szene gibt es Anspielungen auf Videospiele (zusammengeschlagene Bösewichter lösen sich auf und hinterlassen Münzen, die Band, in der Scott Pilgrim spielt nennt sich Sex Bob-Ombs, wie die kleinen laufenden Bomben aus den Super Mario-Spielen uvm.), Filme oder Comics zu entdecken. Die Story ist ein simple Boy-meets-Girl-Geschichte: Scott Pilgrim (Michael Cera) verliebt sich über Um- wege in die mysteriöse Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Ihrer Liebe stehen ihre sieben Ex-Lover, die Scott besiegen muss und Pilgrims Ex-Freundin Knives Chau (Ellen Wong) im Weg. Parallel muss Scott mit seiner Band auch noch um einen Platten-vertrag beim mächtigen Studioboss Gideon Graves (Jason Schwartzman) kämpfen. Aufgebaut wie ein Videospiel, muss sich Scott Pilgrim durch die verschiedenen “Stages” kämpfen, die Kampfszenen lassen jeden Matrix-Kampf alt aussehen. Was hier an Effekten, Abwechslung und einfach purer Cleverness an den Tag gelegt wird, ist der reine Wahnsinn. Es macht süchtig wie ein gutes Videospiel: man kann es kaum erwarten dass der nächste Ex-Freund auftaucht, damit es wieder ordentlich zur Sache geht. Während Filme wie Prince of Persia oder Tomb Raider versuchen die Videospiel-Welt glaubwürdig in eine vermeintlich reale Welt zu übersetzen, gibt Scott Pilgrim die Antwort auf die Frage “Was wäre wenn das Leben ein Videospiel wäre?”.
Zwischen den brachialen Action-Sequenzen nimmt sich der Film stets Zeit, seine neurotischen Hauptcharaktere zu beleuchten und verwickelt sie ständig in lustige Situationen. Die Rollen wurden dabei perfekt besetzt. Allen voran natürlich Nerd-König Michael Cera, der spätestens seit Filmen wie Juno oder Superbad zum festen Nerd-Inventar gehört. Scott Pilgrim vs. The World ist groß- artige Unterhaltung. Ein Film der audiovisuell stimuliert, voller Ideen und Cleverness steckt und nach dem man sich fragt, warum es nicht mehr Filme dieser Art gibt.
Das Nerd-Juwel gibt es bei frents, passend modern auf Blu-Ray!

Party Down: Die beste Serie von der man noch nie gehört hat

Erfolglose Möchtergernkreative halten sich mit einem Catering-Service über Wasser. In Los Angeles, der Stadt der unerfüllten Träume ist diese Vorstellung nicht allzu abwegig. Party Down von Rob Thomas, Paul Rudd, John Enbom und Dan Etheridge ist die beste Comedy Serie von der man nie gehört hat. Ausgestrahlt wurde sie vom Pay TV Sender Starz in den USA; über das Internet und jetzt auch auf DVD darf man sich auch hier nun daran erfreuen. Und es gibt viel zu freuen. Die Charaktere haben teilweise den Traum, reich und berühmt zu werden, während der Protagonist Henry (Adam Scott) schon desillusioniert aus dem Showbiz ausgestiegen ist und ihr aller Chef Ron (Ken Marino) nur von seinem eigenen Suppenschnellrestaurant fantasiert. Im weißen Hemd und rosa Fliege bedienen sie auf verschiedensten Privatparties wohlhabende Menschen, natürlich bleiben servicetchnische Unfälle nicht aus. Bei den oft blamablen Begegnungen mit der High Society von L.A. stellt sich immer mehr heraus, dass auch nachdem alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind, Frustration und Neurosen nicht einfach verpuffen und das ”gute Leben” nicht annähernd so sorglos ist, wie es aus der Ferne scheint. Party Down ist definitiv nicht langweilig. Anders als so viele enttäuschend oberflächliche, repititive Serien die man sonst im Fernsehen vorgesetzt bekommt, enthält diese Show nicht nur brillianten Humor und intelligente Dialoge, sondern bietet auch in jeder Folge eine provokative Geschichte, dank der realistischen Grundidee. Auch wenn es einen stetigen Fluss an absurden Witzen und lustigen Situationen gibt, ist Party Down sehr viel glaubwürdiger als solche Dramedies wie Weeds oder Glee. Die Charaktere bleiben in ihren Rollen und verändern sich nicht zum Wohle der Komödie, sie werden von niemandem ermutigt und scheitern immer wieder und jeder einzelne Darsteller bringt das unheimlich authentisch rüber. Vor allem handelt diese Serie von den größten Hoffnungen und Träumen und davon, wie Menschen sie manchmal dazu benutzen um das Glück im Hier und Jetzt abzuwehren. Staffel 1 und 2 gibt es bei frents zu entdecken!