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frents Montagsmusik: Mehr Königliches, diesmal von Radiohead

Anscheinend ist es gerade Trend unter guten Musikern, den neuen Alben Titel mit den Worten “The King” drin zu geben. Gute Neuigkeiten: die poetischen Leistungssportler sind mit einem davon zurück. Letzten Freitag ist Radioheads neues Album The King of Limbs veröffentlicht worden. Natürlich wird es bereits als Meisterwerk gefeiert. Als Online Stream ist es auch in Deutschland schon zu hören, gebannt auf diverses Tonträgermaterial gibt es das gute Stück via XL/Beggars ab dem 25. März. Es ist ein weiterer Klassiker, der straighte Electronica mit hymnenartigem Britpopnummern und komplexem Prog-Rock verheiratet. Mehr oder weniger zeitgleich ist auch das erste offizielle Video zum Song Lotus Flower im Netz aufgetaucht, in dem Frontman Thom Yorke bei einer eigenwilligen Tanzperformance zu sehen ist.

Ein kleiner track-by-track Guide:

Bloom: Ein unkaputtbares Fragment, das sich dagegen sträubt, an irgend etwas zu knüpfen. Gebaut auf doppeltem Boden, gepaart mit jazziger Verquertheit und bei übermäßiger Dosierung herbe Kopfschmerzen verursachend. Durch alle Instrumentenlagen wandernd mit einem erhabenen Thom Yorke, der bekennend mit “Open your mouth wide / Universal sighs” hinter diesem sinistren Vorhaben steht.

Morning Mr Magpie: Eine Uptempo-Manie mit sichtlicher Unaufgeräumtheit, gleichlaufendem Rhythmus und den vorwärtstreibenden, abbrechenden Ergänzungen des Gitarren-Dreischritts von Jonny Greenwood, Ed O’Brien und Yorke. “Good morning, Mr Magpie / How are we today? / Now you’ve stolen all the magic / Took my melody“.

Little By Little: Reim, Prosa, lose und zusammen, Verdichtungen und Wortverknappungen. Eine Genrekollision der morgenländischen Notenskalen mit der chromatischen Modulation Arnold Schönbergs. Und ein Geständnis: “Little by little / By hook or by crook / I’m such a tease and you’re such a flirt“.

Feral: Anscheinend waren Radioheads vorherige Trips in den melodischen Experimentalismus nicht genug, es folgt der Versuch alle Geräusche des Waldes nachzuahmen. Feral ist ein ungestümes Titelgleichnis – ein zuckendes, rohes Ding mit einem psychotischen Trommeltakt.

Lotus Flower: Das genaue Gegenstück zu Feral, denn dieser Titel führt den Hörer in einen üppigen, warmen Sounddschungel, dank Yorkes subtilen, sensuellen Vibrato und Lyrics wie “slowly we unfurl/as lotus flowers”. Er verteidigt seinen Titel “König der tanzenden Gliedmaßen” mit Bravour.

Codex: “Sleight of hand / Jump off the end / Into a clear lake / No one around / Just dragonflies / Flying to the side / No one gets hurt“. Naturalistische Spiritualität, Fassadenlosigkeit und Daseinsfreude. Wer sich traut diesem Lied, solche Eigenschaften selbstredend einzugestehen, entdeckt dass es kein Schluchzen mit Selbstschwund ist.

Give Up The Ghost: “Don’t haunt me / Don’t hurt me (…) / I think I should give up the ghost“. Ätherische Loopabfolgen, klopfendes Mahagoniholz und Geisterchöre greifen um sich, Yorke klingt wie ein wandelnder Minnesänger. Mit einer akustischen Gitarre beschwört er Feen und Geister und sein Echo werfen melancholische Background-Vocals und ein einlullendes Summen zurück. Fast erinnert es an die vergangene Goldfrapp Felt Mountain Ära.

Separate: Nach der Epilepsie in den ersten Stücken steht die Entgiftungskur an. Frisch und psychdelisch klingt der letzte Song der Platte. Wie eine Bande Hippies, die durch den Wald tanzen, ist Separator das perfekte Enda der generellen Metaebene des Albums. Natürlich wären Radiohead kein musikalisches Paradigma, wenn sie nicht einen kleinen Haken einbauen würden: “If you think this is over / Then you’re wrong“. Man möchte nicht glauben, dass es ein Finish markiert.

The Black Keys’ Brothers, Musik wie früher

Es gibt kein schlechtes Lied auf Brothers. Dan Auerbach und der herrlich unaufgeregt trommelde Patrick Carney von The Black Keys transportieren selbst Lieder wie den Euro-Disco-Alptraum Never Gonna Give You Up in ehrbare Gefilde. Aber keiner der Songs ist ein Experiment, die sind organisch gewachsen und das beschert den Black Keys beste Bewertungen. Mit seinen 31 Jahren stapft Auerbach dermaßen souverän durch Rock, Soul und Blues, als würde er seit 100 Jahren die Luft der amerikanischen Musikgeschichte inhalieren. „Wir waren bisher einfach noch nicht reif genug, um zu wissen, wie man ein richtiges Rock’n’Roll-Album aufnimmt. Jetzt war es so weit“, sagt Carney zu ihrem sechsten Album. Simplizität ist ihr Steckenpferd, größtmögliche Transparenz ihr Ideal. Im Laufe von gut acht Jahren, war Minimalismus stets Methode, nicht das Ziel.Was man nicht konnte, wurde weggelassen. Das sieht man schon am Artwork, wo das, was einem jedes Cover irgendwie pompös gestaltet beibringen will, einfach in großen Lettern prangt. Gab es vorher nur Spuren von Junior Kimbrough oder R.L. Burnside, sind auf Brothers eindeutige Hinweise zu so unterschiedlichen Sachen wie T.Rex über The Meters bis hin zu dem Wu-Tang Clan (man höre Too Afraid To Love) kaum zu überhören. Es klingt verdammt nach früher. Und großartig. Entdecken bei frents!

Keith Richards’ Memoiren “Life” – Entdecken, Teilen und Sammeln auf frents.com

Er hat ein Gesicht wie ein ungemachtes Bett, dachte Jahre lang Johnny Depp sei der Drogendealer seines Sohnes Marlon und spielte überzeugend einen Piraten. Die größte Sorge war, dass er sich nicht erinnern könnte. Doch Keith Richards hat mit dem Journalisten James Fox ein 736 Seiten starkes Buch verfasst: ‘Life’. Gemeinsam haben sie sich daran gemacht die geschichtlichen Scherben von Rock, Ekstase, Delirium und Wahnsinn zusammen zu suchen und haben es geschafft im Leser der Memoiren die Liebe zum Rock und zur Gitarre, die Richards’ Leben geprägt hat, aufleben zu lassen. Ereignisse von Schulwegen im englischen Dartford bis zu gigantischen Konzerten sind mit solch einer Leidenschaft beschrieben, dass man mitgenommen wird in dieses Museum des Ungeheuerlichen. Man sitzt als Leser neben Richards und Jagger wie sie Textzeilen vor sich hinmurmeln, Richards dazu zwei, drei Akkorde spielt und Jagger einfach so weiterdichtet und wie aus diesem Hauch dann eine Wolke und dann ein Song wie “As tears go by” wird. Die Geschichte der Rolling Stones läuft ineinander mit der eigenen Geschichte Richards, seiner Drogensucht, seiner Isolation, seinem Wahnsinn und man versteht, warum er aus diesem Strudel, der mit Wucht nach unten sog, nicht aussteigen konnte. Das Buch gibt es jetzt bei frents.com wenn ihr mehr lesen wollt!